24. Juli 2010

O’Boys – Thirault & Cuzor

Category: Rezension Comics — ComicCombo @ 14:43

von Stefan Pannor

Letztlich wartet auf jeder Kreuzung der Teufel.

Von Tommy Johnson hieß es, er habe seine Seele nachts auf einer Kreuzung dem Teufel verkauft, um den perfekten Blues spielen zu können. Das war in den Dreißigerjahren. Robert Johnson, nicht verwandt mit Tommy, erzählte die gleiche Geschichte von sich, um, fast genau zur gleichen Zeit, seine Musikerkarriere anzukurbeln. Beide gelten als zentrale Figuren des Delta Blues, der schwarzen Musik rund um das Mississippi-Delta.

Das ist der Teufel, den Charley Williams sucht. Blues scheint der einzige Ausweg aus dem Dasein als völlig entrechteter Arbeiter im Süden der USA. Zusammen mit dem jungen Huck Finn macht er sich auf eine Odyssee durch die Südstaaten, von der Polizei gejagt, von den weißen Hobos verachtet, von Huck genervt.

Es ist eine bildprächtige Reise, von endlosen Bahnstrecken und dem gewaltigen Mississippi-Delta. Der Süden der USA, hinterwäldlerisch und heiß, wirkt so exotisch wie die Musik, die in der Geschichte eine zentrale Rolle spielt. Immer wieder besuchen Huck und Charley die „Blues-Shags“, Blueshütten, und natürlich singen auch die Hobos am Lagerfeuer und in den Zügen ihre Lieder. Obwohl der Comic wenig beschönt, vor allem was die Situation der schwarzen Arbeiter der damaligen Zeit angeht, obwohl Gewalt, Rassismus und Armut zentrale Elemente der Handlung sind, ist er doch eine schöne und gelegentlich nostalgische Erzählung.

Auffällig ist die Dichte der Zitate. Huckleberry Finn stammt natürlich aus Mark Twains gleichnamigen Roman, von dem zumindest der erste Band der Serie auch weite Teile der Handlung übernimmt. Die Verlagerung in die Zeit der großen Depression vor Inkrafttreten des New Deal – als Handlungszeit sind die Jahre 1931 bis 1935 angegeben – verweist auf klassische amerikanische Autoren wie John Steinbeck.

Deutlicher als die literarischen ist der filmische Verweis. „O Brother where art thou“ von den Coen-Brüdern findet sich in der Handlung und in den Figuren wieder, am deutlichsten in der Darstellung des Sherriffs, der Huck und Charley verfolgt. Dieser Film – und der ähnlich gelagerte „Crossroads“ – scheint auch Hauptinspirationsquelle der verwendeten Musik gewesen zu sein.

So ist denn „O’Boys“ nicht nur eine farbprächtige Mark-Twain-Hommage, sondern viel mehr noch, wenn auch unterschwelliger, ein Loblied auf den Südstaatenblues und auf Robert Johnson im Besonderen, dessen Lieder an mehr als einer Stelle zu Ehren kommen und zitiert werden und der in Form von Lucius Johnson ein nur gering verstecktes Cameo hat.

Zwei Bände der nicht unbedingt originellen, aber sehr schön gemachten Serie liegen vor. Ob Charley Williams seinen Teufel trifft, und wenn ja, welcher das sein wird, dürfte der abschließende dritte Band aufklären.

O’Boys 1

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